Die Quadratur des Kreises?

Projekte im Spannungsfeld zwischen Schwerindustrie und Ökologie in Osteuropa!

Umweltproblematik in der Zementindustrie sowie die Arbeit in multikulturellen Projekten – Herausforderungen, über die Mag. Christian Abl, Business Development Manager bei ecorec Eastern Europe mit uns im Interview spricht.


next news: Herr Abl, Sie sind Business Development Manager der Firma ecorec, einer Tochter des Zementherstellers Holcim am Standort Bratislava. Stellen Sie uns bitte kurz Ihr Unternehmen und seine Struktur in Osteuropa vor.

Christian Abl: Die Firma Holcim ist einer der größten Zementhersteller der Welt mit der Konzernzentrale in Zürich. Wir haben Standorte auf fünf Kontinenten, wobei ich besonders bemerkenswert finde, dass wir als einer der ersten in dieser Branche an beinahe allen unseren Standorten mit demselben Markenauftritt präsent waren – „branding“ hat für uns eine besondere Bedeutung. Auf Basis einer strategischen Entscheidung hat man vor einiger Zeit acht osteuropäische Staaten in einer Region zusammengefasst, Österreich ist gleichzeitig Zentrum unserer Aktivitäten aber auch Teil der Region.

next news: Mit welchen Herausforderungen ist Ihre Branche aktuell konfrontiert?

Christian Abl: Sehr stark geht es immer wieder um das Thema „Umwelt“. In der Vorstellung vieler Menschen passen „Schwerindustrie/Zementindustrie“ und „Umwelt“ scheinbar nicht zusammen, was im Konkreten aber nicht der Fall ist. Immer stärker versuchen wir, die kostbaren primären Energieträger durch gesellschaftliche Abfallprodukte zu substituieren. Dies hat zwei Vorteile: zum einen den ökologischen Effekt, da wir bis zu einem gewissen Grad die Lösung für die Entsorgung von Abfallprodukten anbieten können, und zum anderen aber natürlich auch einen ökonomischen Effekt, da wir somit in der Produktion Kosten reduzieren können.

next news: Wie sieht Ihre Aufgabe als Business Development Manager konkret aus?

Christian Abl: Vor einiger Zeit wurde in unserem Unternehmen der Entschluss gefasst, mit einem Tochterunternehmen auf osteuropäische Entsorgungsmärkte zu gehen – „ecorec“ tritt nunmehr in diesen Ländern als Serviceanbieter auf. Meine Tätigkeit als Business Development Manager besteht einerseits darin, Marketing- und Salesstrategien für den Gesamtmarkt auszuarbeiten und zu implementieren, andererseits bin ich Geschäftsführer von drei ecorec Landesgesellschaften.

next news: Wo liegen Ihre Anknüpfungspunkte zum Projektmanagement?

Christian Abl: Da gibt es viele. In meinem ersten Projekt ging es gleich einmal darum, “ecorec“ in der Slovakei mit aufzubauen, das Aufgabenfeld reichte von der Entwicklung des Business Plans bis zur Auswahl des Logos. In weiteren Projekten ging bzw. geht es um die Unternehmensgründung in Kroatien oder um die Realisierung von Produktionslinien zur Aufbereitung von Ersatzbrennstoffen. Die Palette geht quer durch die unterschiedlichen Projektarten, wobei wir aufgrund unserer Organisationsstruktur häufig repetitive Projekte haben.

next news: Nachdem Sie viel in den osteuropäischen Ländern unterwegs sind, gibt es da in den Projekten Besonderheiten festzustellen?

Christian Abl: Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Ich finde es besonders spannend, in dieser Region länderübergreifende Projekte abzuwickeln, da die zum Teil stark unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen der Beteiligten zu Tage treten. Man muss natürlich aufpassen, nicht zu stark irgendwelche Klischees zu strapazieren, doch sind so etwas wie gewisse Gesetzmäßigkeiten immer wieder feststellbar. Ich nehme zum Beispiel regelmäßig wahr, dass Rumänen über ein starkes Selbstbewusstsein verfügen und in ihrem Handeln initiativ und vorauspreschend sind - möglicherweise ist das auf die Größe ihres Landes zurückzuführen. Ungarn hingegen sind eher zurückhaltend und kapseln sich relativ lang ab. Um ein gutes Arbeitsverhältnis herzustellen, muss man sich schon um eine gute persönliche Beziehung bemühen. Tschechien ist nicht nur geographisch das westlichste Land, die Tschechen zeigen immer schon eine starke Orientierung in Richtung Westeuropa, was sie trotz aller Introvertiertheit sehr selbstbewusst sein lässt. Abgesehen von den kulturellen Aspekten spielt auch der Stand der wirtschaftlichen Entwicklung des jeweiligen Landes eine wichtige Rolle.

next news: Sie haben ja die Ausbildung zum Projekt-Coach gemacht, wieweit helfen Ihnen die Lernerfahrungen aus dieser Ausbildung im jetzigen Job?

Christian Abl: Da fällt mir spontan ein, dass die erlernten Fragetechniken für mich ein überaus hilfreiches Werkzeug darstellen, speziell bei Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich kann ich immer wieder darauf zurückgreifen. Und eine Aussage, die im Rahmen der Ausbildung gemacht wurde, sehe ich auch immer wieder bestätigt: „Coaching ist nicht Leadership!“

next news: Ihr ultimativer Tipp für ProjektleiterInnen?

Christian Abl: Die Projektbeteiligten sollten sich in die Augen sehen können – ein Projektteam muss regelmäßig auch physisch zusammenkommen, nur so kann man allfällige Störungen erkennen.

next news bedankt sich für das Gespräch!

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