„MedienRolli“ – mehr Selbstständigkeit für schwerstbehinderte Menschen

24.000 Menschen sind in Österreich auf einen Rollstuhl angewiesen. Forscher der Fachhochschule JOANNEUM in Graz haben einen elektrischen Rollstuhl zu einem "Multi-Media-Rolli" aufgerüstet.

next news: Herr Nischelwitzer Sie sind Initiator und Leiter des Projektes „MedienRolli“, was war die Grundüberlegung, diesen High-Tech Rollstuhl zu entwickeln?

Alexander Nischelwitzer: Für behinderte Personen ist der Alltag voller Barrieren. Dinge, die von nicht behinderten Personen beiläufig erledigt werden, wie das Öffnen von Türen oder das Wählen einer Telefonnummer, stellen für viele in ihren motorischen Fähigkeiten eingeschränkte Menschen ein unüberwindbares Problem dar. Den Weg zum selbstbestimmten Leben zu ebnen ist unser Anspruch – unser Ansporn ist die Realisierung eines Referenz-Rollstuhls für einen 12-jährigen Grazer, der beim Sprechen und in seinen Bewegungen stark eingeschränkt ist

next news: Wenn Sie am Ende des Entwicklungsprojektes den Rollstuhl übergeben, was wird Alexander dann alles damit tun können?

Alexander Nischelwitzer: Mit demselben Joystick, mit dem Alexander heute den elektrischen Rollstuhl steuert, bedient er dann über einen Miniaturbordcomputer auch ein Mobiltelefon sowie eine Vielzahl an elektronischen Unterhaltungsgeräten, wie zum Beispiel den Fernseher oder den CD-Player. Mit derselben Technik kann er aber auch über das Internet E-Mails versenden und was sich Alexander besonders wünscht, er will in Zukunft vom Rollstuhl aus auch die Haustüre aufsperren können. Zusätzlich ist der Rollstuhl mit einem GPS-System ausgestattet, um ihn jederzeit auffinden zu können. Falls das Gefährt einmal umfallen sollte, registrieren Neigungssensoren diesen Unfall, die Software sendet dann vollautomatisch einen SMS-Notruf mit der aktuellen Standposition an ein Handy.

next news: Diese Entwicklung ist ja speziell auf eine Person zugeschnitten. Welche weiteren Steuerungsmöglichkeiten gibt es darüber hinaus noch?

Alexander Nischelwitzer: Die oben beschriebenen Funktionalitäten können auch über Sprach-, Kopf- oder Zungensteuerung ausgelöst werden, ein Device mit dem wir als nächstes testen, funktioniert rein über Augensteuerung. Schau ich nach rechts, nach links, rauf oder runter oder bleibe länger auf einem bestimmten Punkt, kann ich damit ein bestimmtes Menü auslösen. Geplant ist eine Ausweitung des Medienrolli Konzepts auch auf Krankenhausbetten bzw. allgemein für ältere Personen, um ihnen länger ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.

next news: Abgesehen von der technischen Entwicklung sind in Ihrem Projekt die ausgeprägten Projektmarketingaktivitäten besonders bemerkenswert. Aus welchem Grund betreiben Sie diesen großen Aufwand?

Alexander Nischelwitzer: Wir haben sehr rasch erkannt, dass durch gezielte Pressearbeit und durch wissenschaftliche Publikationen neue Fördergeber und Sponsoren gefunden werden können. Und nur durch die Unterstützung der vielen Partner und Sponsoren wurde das Projekt in diesen Ausprägungen möglich. Durch die positive Präsenz in den Medien und in der Forschungscommunity ist das Gesamtprojekt auch firmenintern sehr bekannt und das Ganze hat sich speziell auf die Projektmitarbeiter besonders positiv ausgewirkt.

next news: Welche Marketingaktivitäten haben Sie konkret unternommen?

Alexander Nischelwitzer: Ein sehr zentrales Element der Information zum Projekt nimmt die MedienRolli Homepage ein. Alle öffentlichen wichtigen Informationen werden auf der Homepage dokumentiert. Wichtig dabei ist auch das Arbeitslogbuch, in das alle aktuellen Aktivitäten eingetragen werden. Die Homepage enthält auch eine grundlegende Information in englischer Sprache, da auch eine internationale Vermarktung des Projektes geplant ist. Zusätzlich wurden folgende weitere Aktivitäten gesetzt:

  • Erstellung von Pressetexten (Kurz- und Langversion) in Deutsch und Englisch
  • Produktion von Projektposter und Projektfoldern
  • Einbindung in mehrere Lehrveranstaltungen an der FH JOANNEUM


Medien-Rolli

Das bisherige Highlight ist aber sicher die Reportage in der ORF Sendung Modern Times. Die gesamte Videoreportage kann direkt im Internet abgerufen werden.

next news: Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus Ihren Projektmarketingaktivitäten?

Alexander Nischelwitzer: Wichtige Bestandteile für ein effektives Projektmarketing sind:

  • Projekttitel und Projektlogo (zweisprachig)
  • Web-Domains (www.MedienRolli.com und www.MediaWheelie.com)
  • die Projekthomepage
  • professionelle Projektbilder
  • fertige Presse- und Informationstexte in deutscher und englischer Sprache
  • fertige Projektpräsentationen für verschiedene Zielgruppen, auch wieder in deutscher und englischer Sprache

Insgesamt darf aber der Aufwand für die Erstellung des Marketingkonzepts und die Umsetzung desselben nicht unterschätzt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

FH Prof. DI Dr. Alexander K. Nischelwitzer, zSPM ist verantwortlich für den Fachbereich Digital Media Technologies (DMT) an der FH JOANNEUM in Graz. Ziel des Fachbereiches ist die professionelle Produktion von einzigartigen und hochwertigen Informationsgütern unter Einbeziehung neuester Multimediatechnologien.

« vorherige Newsnächste News »